Alpenbrevet  



Feedback zur Mountainbiketour: Alpenbrevet
Gotthard Pass - Passo dell'Uomo - Lukmanier Pass - Sedrun - Oberalp Pass - Andermatt

Kommentar:
From: Adrian Stämpfli <adrian.staempfli@rega-sense.ch>
Date: Sun, 08 Dec 2002 13:09:24 +0100
 













Richtung Passo dell'Uomo
Im Schnee


Passo Lucomago
Ospizi dal Lucmagn




Passo Lucomago
Lukmanierpass
1920m










 

Subject: Die TorTour

Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Kollege und ich, mitlerweile beide 18-jährig, bestritten vor etwa
einem halben Jahr die Tour des Alpenbrevets für Mountainbiker. Unter
schwierigsten Bedingungen, bei Schnee, Regen und Kälte überwanden wir
damals die Pässe im Gotthardgebiet. Mein Kollege hat Pannen, Eindrücke
und Erlebnisse festgehalten.
Viel Spass beim Lesen!!!

Mit freundlichen Grüssen Adrian Stämpfli

Die TorTour
by Philippe Baumann. (philippe.b@swissonline.ch)
Alpenbrevet TorTour

Wo: Gotthardregion – Strecke des Schweizerisches Alpenbrevet

Wie: Mit dem Bike und genügend Doping (in Form von Sportlernahrung)

Wieviel: 109km in die Weite, knapp 3000m in die Höhe

Wer: Adrian Stämpfli und Philippe Baumann

Wann: 8.Juni 2002

Wir starten früh morgens indem wir den frühstmöglichen Zug Richtung Andermatt nehmen. Und dieser fährt für mich (Autor: Philippe) um 6.08 in Wünnewil. Kurz später steigt Adrian ein (in Thörishaus). Gut gelaunt aus unserem schlechten Schlaf (....vor so einer Tour) treten wir die Reise an – in Bern, Zürich und Göschenen wechseln wir den Zug, bevor wir um zehn nach zehn in Andermatt eintreffen. Wobei zu erwähnen ist, dass Adrian seinen Helm in Zürich im Zug vergessen hat und nur durch einen Spurt zurück in den Intercity das Scheitern der Tour verhinderte. Angekommen in Andermatt geben wir vorerst unseren Kleiderrucksack zur ”Deponation” am Schalter ab. Adrian werkt noch etwas an seinen Bremsen herum währenddessen ich meine Blase entleere. Mit einer Verspätung von zwanzig Minuten auf unseren Tourenplan starten wir die Tour um halb elf.

Einige Male in die Pedale getreten, kommen wir in Hospental an, dort, wo es beginnt zu steigen. Ich ziehe meine langen Hosen aus, behalte aber die Regenjacke über (denn seit Andermatt rieselt es). Nur noch eine kurze Kräftigung mit einem von dreien Powerriegeln und wir starten in gleichmässig langsamen Tempo in die Steigungen des Gotthardpasses. Gleich zu Beginn dieses nicht steilen Aufstieges überholen uns zwei ältere, wohlgeformte Herren – die von uns liebevoll benannten ”Würstlis” – wir spotten ein bisschen über sie und fahren in unserem gemütlichen Tempo weiter. Es vergeht nicht viel Zeit und wir überholen die Würstlis mit einem Lächeln. Gemütlich geht es weiter und wir verspüren unsere ersten Poschmerzen. Wir müssen uns fast zwängen, nicht zu stark in die Pedale zu treten – wir fuhren wohl wirklich langsam, denn die Würstlis keuchten sich des neuen an uns vorbei. Kurze Zeit später fängt es mehr an zu steigen und wir überholen die Würstlis zum zweiten und letzten Mal. Gleich danach geht es für uns auf die alte Gotthardpassstrasse – wir fahren auf dem Kopfsteinpflaster einem Tessiner Pensionärspärchen vorbei, welche aus uns unverständlichen Gründen mit dem Camper dort oben stationiert sind. Diese haben eine Riesenfreude an uns. Und uns erfreut es ebenfalls , doch fast noch mehr Freude macht das 200 Meter später stehende Steinschild neben der Strasse auf dem vermerkt ist, dass unser Streckenziel ”Hospitz Gotthard” nur noch 3km entfernt ist. Doch nun fängt es deftig an zu regnen– wir fahren zwischen den Schneefelder auf der alten Strasse weiter und kommen in einen total dichten Nebel, so dass wir die eigentliche Passhöhe gar nicht als den Pass wahr haben wollten. Als wir das Hospitz in Sichtweite haben verstanden wir die Welt fast nicht mehr – denn keiner von uns fühlte sich erschöpft. Wir schiessen ein Passphoto (eigentlich: ”Hospitzphoto”) von jedem und essen schnell etwas. Währenddessen treffen auch die Würstlis ein – für sie ist hier wohl das Ende ihrer Tour. Von der Unseren ist es erst der Anfang. Ich schaue auf die Uhr, es war schon zwölf Uhr – wir sind um eine halbe Stunde verspätet. Also nichts wie los. Ich stürze mich in die noch trockenen langen Hosen – Ädu wird die ganze Tour das Tenu nie wechseln ,und auch ich werde mit der Zeit zu faul, der letzte Wechsel wird bei mir in Airolo stattfinden. Freudig starten wir in die Tremola – doch die Freude währt nicht lange. Es hat dichten Nebel und es regnet in Strömen. Wir fahren mit einer Geschwindigkeit, welche nie über die vierzig geht, denn beide von uns haben einen riesen Respekt vor diesen tückischen Steilkurven auf Klopfsteinpflaster. Zudem ist es nicht gerade rosig warm – mir gefrieren meine beiden Bremsfinger fast ein – ich spüre sie auf jeden Fall nicht mehr.

Total durchnässt erreichen wir Airolo – vor Kälte zitternd verzerren wir unter einem Garagevordach einige Energiespender. Danach fahren wir durch das Dorf, ein sehr kurzes Stück steil über einen Bach und von da an steigt es nun stetig und heftig. Doch dies begrüssen wir sehr, denn nun wärmen sich unsere durchnässten Kleidungsstücke wieder auf. Zudem regnete es nicht mehr! So pedalen wir gutgelaunt ca. zwanzig Minuten, fahren unter der steilsten Standseilbahn Europas mit 88% Steigung durch (welche wie wir das Ziel Ritomsee hat (resp. Piora)), und biegen dann in Altanca links den Berg hinauf (wir nehmen die Teerstrasse und nicht wie empfohlen die Abkürzung direkt durch den Wald). Kaum sind wir abgebogen fängt es von Neuem an zu Regnen – ein richtiger Tessinregen (d.h. in Strömen!). Nun steigt es sehr und wir schalten in die kleinsten Ritzel. Zwei kurze Verschnaufspausen, da vor allem ich nicht mehr mag (habe meine Krise), einige Autos, in welchen die Fahrer uns immer bewundernde Gesten zuwerfen und nur eine 180° Kurve, dann treffen wir bei der Staumauer des Ritomsees ein. Der See ist fast leer – mein Energiespeicher auch – so fahren wir noch dem See entlang bis nach Cadagno, dass anfangs Sees liegt - geniessen das wunderschöne ”Unterwolkendeckepanorama”, denn seit der Ankunft am Ritomersee regnet es nicht mehr – und an diesem Örtchen machen wir einen relativ kurzen Verpflegungsrast, d.h. Ädu füllt seine Flasche neu auf, ich verdrücke Banane und beide stärken sich mit einem Powerriegel, den wir noch bitter nötig haben werden. Nun geht es auf Naturstrasse weiter bis das erste Schneefeld unsern Pfad verdeckt. Noch gut gelaunt, da wir beide denken es sei ein Einzelfall, buckeln wir das Bike und laufen die par Meter durch den wadentiefen Schnee – wobei die Schneedecke meistens hält wenn man darauf steht – meistens... Einige Meter können wir wieder auf das Bike steigen, wir fahren um eine kleine Ecke und sehen das nächste Schneefeld, von nun an laufen wir fast die gesamte Strecke von ungefähr vier Kilometern durch den Schnee, ab und zu auch Weg, doch an das Aufsteigen ist gar nicht zu denken. Ädu hat mit einem physischen Tief zu kämpfen, doch wir erreichen den Passo dell'uomo - mit einer Verspätung von mehr als anderthalb Stunden – so, jetzt dürfen wir uns als richtige Männer fühlen. Schon bringe ich meine Zweifel vor, dass wir unseren Zug um acht Uhr erwischen werden, denn es ist ungefähr zwanzig nach vier.

Nun wenn wir unsren Blick talabwärts wenden, ist die Freude auch nicht riesengross, denn auch hier laufen wir vorerst durch den Schnee, das Bike tragen wir seit langem nicht mehr, es ist schon sonst genügend Kraftverschwendung durch den Schnee zu stampfen. Endlich keinen Schnee mehr und auch schon lange keinen Regen – trotzdem sind vorallem unsere Schuhe total nass und anfänglich noch kühl gewesen, aber das hat sich mit der Zeit auch gelegt... Wir können aber nicht sofort auf unser Bike steigen, erst geht es noch einige zu steile Passagen über zu grosse Steine den Pfad hinunter. Nach einigen zusätzlichen Minuten Bike schieben, steigen wir auf und fahren in dem mit Wasser gefüllten Bachbeet neben dem zu schmalen Wanderweg Richtung Lukmanierpass. Vorsicht ist hier im Bachbeet geboten – Ädu, dass erfahre ich erst später, haut es zweimal auf den Sack, ich bekomme von dem nichts mit, denn ich fahre mit einigem Abstand voraus. Zudem hat er Probleme mit seiner Hinterradbremse. Völlig durchgerasselt kommen wir um viertel vor fünf auf dem Restaurant des Lukmanierpasses an. Trotz der Verspätung von fast zwei Stunden gönnen wir uns eine warme Ovomaltine und essen ein Sandwich und sonstige Energie (super ”Hundefutter”). Wir erkundigen uns wie weit es auf Disentis wäre, doch das Personal ist nicht gerade velokundig – sie sagen uns, dass wir in einer Stunde schon unten seien...wir werden für diese Strecke zwanzig Minuten gebrauchen. In dem Restaurant entscheiden wir uns über Disentis zu fahren anstelle der vorgeschlagenen Strecke welche von Curaglia über Stagias Höhe auf der anderen Talseite von Sedrun bis zum Fusse des Oberalppasses führt. Die Abfahrt machen wir in einer Viertelstunde bei sehr starkem Regen, gleich danach hört es auf zu regnen. Kurz vor Disentis erreichen wir den tiefstgelegene Punk unserer Tour:1075m.ü.M.. Im Dorf vor dem kleinen Lebensmittelladen machen wir eine kleine Pause – es ist uns nun bewusst, dass es uns nicht mehr gelingen wird, den letzten Zug in Andermatt zu erwischen, denn es ist nun halb sieben Uhr. Wir essen unsren letzten Kraftriegel und werfen uns auf unsere Sättel – meinen Hintern spüre ich seit dem Gotthardpass eh nicht mehr.

Kurz nach Disentis machen wir beide schlapp. Beide verspüren keine Kraft mehr in den Beinen, wir geben auf und beschliessen, den Zug über den Oberalp zu nehmen. Mit den letzten Kräften kämpfen wir uns zum Bahnhof Sedruns hoch, ich auf den Beinen, Ädu auf dem Bike. Dort müssen wir erfahren, dass kein Zug mehr fährt – überhaupt gar nichts mehr. Und wir müssen unbedingt nach Andermatt, da unser Gepäck auch dort ist. Dieses können wir aber wohl vergessen, denn der Schalter wird dort um acht Uhr abends schliessen.

Höchst demotiviert und entkräftet fahren wir dem Oberalp entgegen. Ich fluche vor mich hin und beide sind den Tränen nahe. Wir machen nun fast alle fünfhundert Meter eine Pause – dies ist sicherlich nicht gut, doch wir können nicht mehr! Bis nach Tschamut kämpfen wir uns durch – dem letzten Dorf vor dem Oberalp oder dem ersten am Rhein, auf was sie sehr stolz sind (....). Nun telephoniere ich mit Ädus Natel nach Hause. Ich sage, dass wir den acht Uhr Zug verpassen werden (nun ist halb acht). Ich bitte sie, sich mit dem Bahnhof Andermatt in Verbindung zu setzten um unsren Rucksack nach draussen zu stellen, damit wir den wenigstens haben. Kurze Zeit später, wieder in den Pedalen, klingelt es. Es habe um Neun Uhr noch einen Zug, welcher bis nach Bern fahre, der Rucksack sei draussen deponiert. Doch wir sollen auf keinen Fall pressieren, lieber sollten wir in einem Hotel übernachten, empfahlen uns die Eltern

Diese Nachricht riss mich hoch. Wir pressten den übrigen Powerbar in uns hinein und stürzten uns gegen das Gefälle. Ädu muss mich richtiggehend beruhigen, dass ich nicht zu schnell in die Kurven ”hineinrase”. Wir fahren in gleichmässigem Rhythmus den Berg hinauf (diesen Pass meistern wir mit höchster Geschwindigkeit), als plötzlich ein verletzter Töfffahrer auf der Strasse steht. Dieser greift sich an seine Schultern, blutet an der Hand und zittert stark. Ädu gibt ihm sein Natel – ich möchte eigentlich weiterfahren, denn ich schaue schon ganz verängstigt auf die Uhr; es ist zwanzig nach acht. Zum Glück kommt gleich ein älteres Zürcher Ehepärchen, welche sich um den verletzten Töfffahrer kümmern. (Er war mit dem Töff in der Kurve abgerutscht- sehr nasse Strasse.)

Wir begeben uns weiter. Es geht nicht lange und wir treffen mit Freudenschreien auf dem Oberalppass ein. Schnell schiesse ich ein Passphoto. Jetzt haben wir noch genau fünfzehn Minuten Zeit, dann fährt unser Zug in Andermatt. Und diesen will ich erwischen. So stürze ich mich mit dem Bike Richtung Tal und Ädu schaut, dass er nachkommt. Die Passstrasse ist leer von Autos, doch gefährlich nass, zudem fängt es erneut zu regnen an. Ich vertraue dem Pneu und geniesse die weiten Kurven. Kaum einmal fällt die Geschwindigkeit unter die fünfzig. Jede gerade Strecke schaue ich wieder auf die Uhr und trete aufs neue in die Pedale. Auf die Minute genau treffen wir in Andermatt ein. Der Zug hat eine kleine Verspätung – wir freuen uns enorm über unsere Leistung, nehmen unseren Rucksack in Empfang, auf welchem freundlicherweise ein Fahrplan plaziert ist! Ich breche nun vor Übelkeit fast zusammen, doch die Tour ist unter härtesten Bedingungen, mit Schnee, Regen und Kälte geschafft worden. Unsere Eltern glauben uns kaum, als wir Bericht geben, dass wir im Zug sind – sie überlegten sich schon in welches Hotel wir gehen werden.....

Unser Fazit

1.      Entdeckung einer neuen Sportart, durch uns benennt als ”Snowfield hiking with bike on the shoulders”

2.      Tour wirklich wie empfohlen erst Ende Juni machen.....

3.      Nässe und Schnee sind kein Problem mehr: Falls man mal richtig nass ist, sorgt man nur noch dafür, dass die durchnässten Kleider warm werden und man fühlt sich wie in Neopren.

4.      Glukosesyrup, Kraftriegel u. Co. können einem wahnsinnig behilflich sein

 

Vielen Dank für dieses Feedback.
Verfasser dieses Berichtes Philippe Baumann. (philippe.b@swissonline.ch)
Dieser hervorragende und interessante Bericht mit allen Infos und Fotos wurde von Adrian Stämpfli
zur Verfügung gestellt.
DANKE!


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